Der Wunsch vieler Arbeitnehmer, ein Mehr „Netto“ vom „Brutto“ geht zunehmend konform mit den Bedürfnissen der Arbeitgeber hinsichtlich Mitarbeitergewinnung und -bindung.

Nettolohn-Optimierung: Mit diesem “Benefit“ beim Mitarbeiter punkten

Im Folgenden stellen wir Ihnen stichwortartig 16 Highlights der Nettolohn-Optimierung vor. Bitte beachten Sie, dass diese Aufzählung eine steuerrechtliche Beratung nicht ersetzen kann!

Ferner sollte darauf geachtet werden, dass grundsätzlich derartige Nettolohn- Optimierungsmodelle stets vor dem Entstehen des Gehaltsanspruchs zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vereinbart werden müssen, damit sie steuerlich anerkannt werden. Dies bedeutet, dass Nettolohnvergütungen nicht das bestehende Gehalt vorab verringern dürfen. Ferner müssen die entsprechenden Vereinbarungen schriftlich vereinbart und dem Lohnkonto für spätere Lohnsteuer-Außenprüfungen beigefügt werden.

1. Warengutscheine und Guthabenkarten

Derartige Gutscheine, z.B. auch Tankgutscheine, können zusätzlich bis zu EUR 44,00 pro Monat steuerfrei als Sachbezug vom Arbeitgeber dem Arbeitnehmer gewährt werden. Bei den EUR 44,00/Monat handelt es sich um eine Freigrenze, nicht um einen Freibetrag, d.h. bei Überschreitung des Betrages von EUR 44,00/Monat wird der gesamte Betrag lohnsteuerpflichtig.

2. Restaurantschecks/Essenszuschüsse

Unter gewissen Bedingungen dürfen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Restaurantschecks/Essenszuschüsse geben. Der Zuschuss darf den amtlichen Sachbezugswert (2018 = EUR 3,23) nur um max. EUR 3,10 übersteigen. Damit beträgt für 2018 der max. Zuschuss EUR 6,33, wovon EUR 3,23 als Sachbezugswert steuer- und sozialversicherungspflichtig sind.

3. Privatnutzung von betrieblichen EDV- und Telekommunikationsgeräten

Die Privatnutzung derartiger Geräte ist steuerfrei, auch wenn diese Geräte zu 100% privat genutzt werden. Dies gilt auch für die Nutzung des Zubehörs und der Software.

Es muss sich dabei um Geräte handeln, die wirtschaftlich dem Arbeitgeber zuzurechnen sind, d. h. sein Eigentum oder von ihm geleast oder gemietet sind. Auch die anfallenden Verbindungsentgelte sind steuerfrei.

Ferner kommt es hier ausnahmsweise nicht darauf an, ob diese Vorteile zusätzlich zum Gehalt oder aufgrund einer Vereinbarung mit dem Arbeitgeber über die Herabsetzung vom Arbeitslohn erbracht werden. Diese Nutzungsüberlassung ist somit ein gewichtiger Beitrag zur Nettolohn-Optimierung.

4. Nutzung von eigenen Telekommunikationsgeräten

Aufwendungen für die Telekommunikation, das Nutzungsentgelt und der Grundpreis der Anschlüsse können steuerfrei ersetzt werden, wenn

  • die Kosten für Telekommunikationsgeräte aus betrieblichem Anlass regelmäßig wiederkehren;
  • der Arbeitnehmer die entstandenen Aufwendungen für einen repräsentativen Zeitraum von drei Monaten im Einzelnen nachweisen kann

5. Kinderbetreuung

Die Unterbringung und Betreuung einschließlich Unterkunft und Verpflegung von nicht schulpflichtigen Kindern des Arbeitnehmers in Kindergärten oder vergleichbaren Einrichtungen sind steuerfrei, wenn sie zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn gezahlt werden. Dieses gilt auch, wenn der nicht beim Arbeitgeber beschäftigte Elternteil die Aufwendungen trägt.

6. Weitere Betreuungsleistungen

Zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn erbrachte Leistungen des Arbeitgebers an ein Dienstleistungsunternehmen, das den Arbeitnehmer hinsichtlich der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen berät oder hierfür Betreuungspersonen vermittelt, sind steuerfrei.

Steuerfrei bis zu einem Freibetrag von EUR 600,00 pro Kalenderjahr sind auch Leistungen zur kurzfristigen Betreuung von Kindern, die das vierzehnte Lebensjahr bzw. wegen einer Behinderung das fünfundzwanzigste Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Voraussetzung hierfür ist, dass die Betreuung aus zwingenden beruflich veranlassten Gründen notwendig ist.

7. Leistungen der Gesundheitsförderung

Zum geschuldeten Arbeitslohn zusätzlich erbrachte Leistungen des Arbeitgebers zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes und der betrieblichen Gesundheitsförderung, die den Anforderungen der Paragraphen §§ 20 und 20a des SGB V genügen, sind steuerfrei, soweit sie EUR 500,00 im Kalenderjahr nicht übersteigen.

8. Erholungsbeihilfen

Zuschüsse zu den Urlaubskosten sind zwar grundsätzlich steuerpflichtiger Arbeitslohn, doch können derartige Erholungsbeihilfen vom Arbeitgeber pauschal und damit sozialversicherungsfrei mit 25% versteuert werden bis zu einem Betrag von EUR 156,00 für den Arbeitnehmer, EUR 104,00 für den Ehepartner und EUR 52,00 pro Kind.

9. Runde Geburtstage, Jubiläen, Einführung bzw. Verabschiedung eines Arbeitnehmers

Kosten für übliche Sachleistungen des Arbeitgebers aus derartigen Anlässen sind steuerfrei, wenn diese inkl. Umsatzsteuer nicht mehr als EUR 110,00 betragen. Auch Geschenke mit einem Gesamtwert bis EUR 60,00 sind in diese Grenze von EUR 110,00 einzubeziehen. Bei dieser Grenze handelt es sich um eine Freigrenze und nicht wie bei einer Betriebsveranstaltung um einen Freibetrag.

10. Garagenmiete

Mietet ein Arbeitnehmer für seinen Firmenwagen eine Garage an, kann ihm der Arbeitgeber diese Miete steuerfrei ersetzen. Steht die Garage im Eigentum des Arbeitnehmers, muss er allerdings die Einkünfte aus der Vermietung in seiner Steuererklärung unter Abzug der Werbungskosten inkl. Abschreibung angeben.

11. Kostenübernahme für ein häusliches Arbeitszimmer

In Einzelfällen kann es sich anbieten, dass der Arbeitgeber das häusliche Arbeitszimmer von seinem Arbeitnehmer anmietet und es diesem anschließend zur dienstlichen Nutzung überlässt.

Die Anerkennung der Steuerfreiheit ist in der Regel nicht gegeben, wenn der Arbeitnehmer in der Betriebsstätte des Arbeitgebers einen weiteren Arbeitsplatz hat. Allerdings ist es der Idealfall für die reinen Heimarbeiter.

12. Heimarbeitzuschlag

Zuschläge, die Heimarbeiter in Sachen des „Heimarbeit-Gesetzes“ erhalten, können als Ausgleich der mit der Heimarbeit verbundenen Aufwendungen zusätzlich neben dem Grundlohn gezahlt werden, sofern sie nicht 10% dieses Grundlohns übersteigen.

13. Werkzeuggeld

Kosten, die einem Arbeitnehmer durch die betriebliche Nutzung eigener Werkzeuge entstehen, können vom Arbeitgeber steuerfrei erstattet werden. Nicht hierzu gehören Datenverarbeitungsgeräte und Musikinstrumente.

14. Pauschale Fehlgeldentschädigungen

Bis zu EUR 16,00 im Monat kann ein Arbeitnehmer Fehlgeldentschädigungen steuerfrei erhalten, die den Arbeitnehmern im Kassen- und Zähldienst gezahlt werden.

Von dieser Regelung erfasst werden grundsätzlich alle Arbeitnehmer, die eine Kasse bedienen.

15. Fahrzeugwerbung

Sofern der Arbeitnehmer einen Werbeaufkleber seines Arbeitgebers an seinem eigenen privaten PKW anbringt und er hierfür eine Zahlung erhält, so handelt es sich nicht um Arbeitslohn, sondern um sonstige Einkünfte im Sinne des § 22 Nr. 3 EStG. Diese sind steuerfrei, soweit sie im Jahr weniger als EUR 256,00 betragen.

Aktuell attackiert die Finanzverwaltung diese Regelung, weil ihrer Auffassung nach zu viele Arbeitgeber die EUR 255,00 dafür bezahlen, dass sie lediglich die Halterung für das KFZ- Kennzeichen mit einer Werbung ihrer Firma versehen haben. Entscheidend ist wie immer im Steuerrecht der Fremdvergleich. Wenn ein fremder Dritter ebenfalls EUR 255,00 oder einen ähnlichen Betrag erhält, sollte der Fremdvergleich erfüllt sein.

16. Geänderte Arbeitsverträge bzw. Änderungskündigungen

Bei den meisten oben angeführten Punkten der Nettolohn-Optimierung ist Grundvoraussetzung, dass diese zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt werden.

Die in einem engen zeitlichen Zusammenhang vorgenommene Gehaltsherabsetzung in Verbindung mit einer entsprechenden Nettolohn-Vereinbarung führt somit nicht zur Steuerfreiheit.

Zur Steuerfreiheit kommt es selbstverständlich, wenn der Arbeitnehmer statt einer geplanten Gehaltserhöhung z.B. einen Kindergartenzuschuss oder ähnliche Punkte der Nettolohn-Optimierung erhält.

Sollte allerdings in der Kinderhilfe-Geldvereinbarung stehen, dass bei Wegfall der Voraussetzungen für den Kindergartenzuschuss dieser Betrag dann das Bruttogehalt ausmacht, ist diese Regelung schädlich für den steuerfreien Zuschuss.

Wir hoffen, dass einige dieser 16 Punkte der Nettolohn-Optimierung Ihr Interesse gefunden haben. Bitte beachten Sie, dass deren Umsetzung unbedingt einer näheren steuerrechtlichen Beratung bedarf!