Eltern wissen, dass Kinder teuer sind, besonders mit Blick auf die Kosten, die Eltern treffen können, wenn das Kind nach dem Abitur studieren oder eine Ausbildung in einer anderen Stadt absolvieren möchte.

Der Gesetzgeber hat entschieden, dass diese Kosten mit dem Kinderfreibetrag und ggfs. einem wirklich sehr kleinem Ausbildungsfreibetrag in Höhe von EUR 924,00 p.a. abgegolten sind. Mehr fiskalische Unterstützung gibt es nicht, obwohl Kinder in der Ausbildung leicht mit mehreren Tausend Euro pro Jahr zu Buche schlagen können.

Für Eltern mit Einkünften aus Vermietung und Verpachtung zeichnet sich jedoch unter bestimmten Voraussetzungen ein fiskalischer Silberstreifen am Horizont ab.

Erstes Fallbeispiel zur Beteiligung des Fiskus bei Kindern in Erstausbildung

Das Kind besucht nach dem Abitur eine private Hochschule, an der Studiengebühren anfallen. Hinzu kommen noch die Kosten für die Unterkunft am Studienort, Fahrtkosten, Lehrmaterial etc. Gehen wir in unserem Beispiel einmal davon aus, dass die Gesamtausgaben mindestens EUR 10.000,00 pro Jahr betragen.

Die Eltern sind Eigentümer eines Mehrfamilienhauses, das Mieteinkünfte von EUR 12.000,00 pro Jahr erzielt. Wir legen unserer Annahme den durchschnittlichen Steuersatz von rund. 35 % zu Grunde und gehen davon aus, dass das Kind weder arbeitet, noch sonst über eigene Einkünfte oder Bezüge verfügt.

Räumen die Eltern nunmehr ihrem Kind einen zeitlich befristeten Nießbrauch (Nutzungsrecht) im Rahmen eines sogenannten Zuwendungsnießbrauches an dem Mietwohngrundstück ein, fließen dem Kind die Überschüsse aus der Immobilie zu, die es dann versteuert. Nach Abzug der Studienkosten, die es selbst von den Mieteinnahmen bezahlt und nach der Berücksichtigung des Grundfreibetrages beträgt seine Einkommensteuer EUR 0,00, seine Eltern hingegen sparen jährlich rund. EUR 4.200,00 an Einkommensteuer.

Damit das Ganze fiskalisch wirksam wird, sollte die Nießbrauchvereinbarung notariell beurkundet und in das Grundbuch eingetragen werden. Bitte beachten Sie, dass es sich nicht um eine Schenkung der Immobilie handelt, sondern dass dem Kind lediglich für eine gewisse Dauer, die Sie selbst festlegen, die Mieteinnahmen aus diesem Objekt zugestanden werden. Das ist auch aus Elternperspektive wichtig: Ggf. wird die Immobilie als Altersversorgung für die eigene Absicherung benötigt und sollte daher keinesfalls zu früh auf ein Kind übertragen werden!

Nach außen tritt das Kind nunmehr als Vermieter auf. Dies bedeutet, dass die Mieter zu informieren sind und die Mietverträge entsprechend angepasst werden müssen. Ferner sind die Mieten auf ein Konto des Kindes zu zahlen, für das dieses natürlich verfügungsberechtigt sein muss. Sind Reparaturen zu tätigen, muss es diese ebenfalls zahlen. Sie können in der notariellen Urkunde jedoch vereinbaren, dass die Höhe der Kosten für die Instandhaltung, die das Kind zu tragen hat, beschränkt wird.

Übersteigende Aufwendungen wären dann wieder von den Eltern zu übernehmen. Eine solche Klausel muss so formuliert sein, dass ihr auch ein fremder Dritte zustimmen würde, um eine Anerkennung der Gestaltung nicht zu gefährden. Da die Eltern diese Kosten nicht steuerlich zum Abzug bringen können mangels der dazugehörigen Einkünfte, sollten größere Erhaltungsaufwendungen vor der Nießbrauchgestellung durchgeführt werden.

Ist die Immobilie mit einem Bankdarlehen belastet, ist zuvor ein Bankgespräch notwendig. Ein Wechsel der Darlehensnehmerschaft ist in der Regel nicht erforderlich, da es hier um eine nur zeitliche Begrenzung des Nießbrauches geht und das Darlehen weiterhin über die Immobilie abgesichert ist. Festgelegt werden sollte jedoch, dass das Kind den Eltern die anfallenden Darlehenszinsen ersetzt. Damit bleiben sie weiterhin steuerlich abzugsfähig.

Eine einzige Tatsache trübt jedoch dieses Modell ein bisschen:

Bei einem Zuwendungsnießbrauch verliert der Eigentümer mangels eigener Einkünfte seine Abschreibungsberechtigung. Da der Nießbrauchnehmer keine eigenen Anschaffungskosten getragen hat, bekommt er die AfA (Absetzung für Abnutzungen, kurz Abschreibung) ebenfalls nicht. Dieser Nachteil muss in Kauf genommen werden, wird sich jedoch evtl. wegen der ohnehin nur 2 %igen Abschreibung bei bestimmten Objektgrößen und der Steuereinsparung durch die unterschiedlichen Steuerprogressionen von Kind und Eltern nicht sehr auswirken. In jedem Fall ist eine Einzelfallprüfung angezeigt. Haben Sie größere Erhaltungsaufwendungen auf mehrere Jahre verteilt, ist eine Nießbrauchgestellung erst nach Ablauf dieser Frist sinnvoll, damit diese nicht mangels wirtschaftlichen Zusammenhangs mit der Vermietungstätigkeit verpuffen.

Der Zuwendungsnießbrauch stellt einen schenkungsteuerpflichtigen Tatbestand dar, der der Schenkungssteuer unterliegt. Der Freibetrag pro Kind pro Elternteil liegt derzeit bei EUR 400.000,00, so dass vermutlich in den allermeisten Fällen keine Schenkungsteuer anfallen wird, zumal man den Wert des geschenkten Nießbrauches auf Grund der frei zu vereinbarenden Dauer relativ gut gestalten kann.

Ist nur ein Kind vorhanden, spielen erbrechtliche Fragen üblicherweise ebenfalls keine große Rolle. Sind mehrere Kinder vorhanden, ist ggf. zu regeln, welche Folgen sich im Falle des Versterbens eines oder beider Elternteile hinsichtlich des eingeräumten Nießbrauchs ergeben, damit keine ungewollten Auswirkungen entstehen.

Sinnvoll ist eine derartige Gestaltung, wie oben beschrieben, sowieso nur dann, wenn das Kind volljährig ist. Ist es noch minderjährig, muss ein Ergänzungspfleger bestellt werden. Hierdurch wird das gesamte Verfahren derartig verkompliziert, dass von einer solchen Gestaltung eher abzuraten ist.

Letztendlich wäre dann noch zu prüfen, ob sich sozialversicherungsrechltliche Auswirkungen ergeben. Es muss geklärt werden, ob das Kind durch den Nießbrauch aus der Familienversicherung ausscheidet und sich selbst krankenversichern muss. Da jedoch die Krankenversicherung in voller Höhe ebenfalls von der Steuer abzuziehen ist, solange sie lediglich die Basisabsicherung beinhaltet, entsteht hieraus unter Umständen kein wirklicher Nachteil. Aber auch hier ist natürlich eine genaue Einzelprüfung erforderlich.

Zweites Fallbeispiel zur Beteiligung des Fiskus bei Kindern in Erstausbildung

In abgeschwächter und etwas geänderter Form ist die Unterstützung des Kindes während der Ausbildung über Mietzahlungen auch durch eine andere Gestaltung möglich.

Bezieht das Kind am Studienort z.B. eine Eigentumswohnung, die den Eltern gehört, können die Eltern dem Kind diese mit einer reduzierten ortsüblichen Miete vermieten. Diese darf 66 % der ortsüblichen Warmmiete jedoch nicht unterschreiten, wenn das Mietverhältnis voll anerkannt werden soll.

Ist die Wohnung größer und damit eigentlich zu groß für die alleinige Nutzung durch ein studierendes Kind, kann ein Teil dieser Wohnung untervermietet werden. Diese Untervermietung erfolgt dann jedoch durch das Kind an den Untermieter und nicht durch die Eltern. In diesem Fall wird nicht nur die ortsübliche Vergleichsmiete für das vermietete Zimmer berechnet, sondern auch für die anteiligen Allgemeinflächen wie Bad, Küche, Abstellräume, Flur etc.. Dadurch reduziert sich zusammengerechnet die von dem Kind an die Eltern zu zahlende Miete erheblich. Dieser Betrag steht dann dem Kind zum eigenen Unterhalt wieder zur Verfügung.

Natürlich muss das Kind die Mieteinnahmen aus der Untervermietung versteuern. Mit Blick auf den Freibetrag in Höhe von rund. EUR 8.000,00/Person dürfte hier jedoch in den meisten Fällen keine Steuer anfallen. Selbst wenn das Kind noch weitere eigene Einkünfte bezieht, wird es vermutlich eine geringere Steuerprogression haben, als die Eltern, was dieses Modell ebenfalls an Attraktivität gewinnen lässt.

Natürlich muss der jeweilige Einzelfall genau geprüft werden, bevor Sie solche Gestaltungen durchführen. Wenn Sie möchten, können Sie uns dazu gerne ansprechen oder schreiben Sie Ihre Fragen in den Kommentar.