34 Millionen – so viele Katzen, Hunde, Kleinsäuger und Vögel leben in 45 Prozent der deutschen Haushalte. Lieblingstier der Deutschen ist übrigens die Katze: 13,7 Millionen Samtpfoten leben in 22 Prozent der Haushalte. Auf dem zweiten Platz liegt der Hund mit immerhin noch 9,2 Millionen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Erhebung von 2017, die der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e.V. und der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) e.V. in Auftrag gegeben haben.

In fast jedem zweiten Haushalt lebt mindestens ein Haustier – und Haustiere kosten Geld. Ein Grund, um einmal genauer zu betrachten, ob sich nicht der Fiskus an den Kosten beteiligen kann.

Das Haustier – ganz privat

Es gibt doch nichts Schöneres, als nach der Arbeit heimzukommen und sehnsüchtig von Ihrem tierischen Mitbewohner erwartet zu werden. Nun verbringen Sie gemütlich den Abend auf Ihrem Sofa, auf Ihrem Schoß schnurrt die Katze und der Hund räkelt sich zufrieden in seinem Korb. Da fällt Ihnen ein, dass bald der jährliche Tierarztbesuch ansteht und auch der Hundefriseur dringend noch vor Ihrem Urlaub vorbeikommen sollte. Und überhaupt – was passiert mit den Vierbeinern, wenn Sie ohne sie in den Urlaub fahren?

Betreuungskosten und Gassigehen

Wenn Herrchen und Frauchen im Urlaub oder aus anderen Gründen nicht daheim sind und das Haustier daheim versorgt werden muss, können auch diese Kosten abgesetzt werden – allerdings nur, wenn die Versorgung im Haushalt des Tierbesitzers stattfindet. Die Tierpension ist leider keine haushaltsnahe Dienstleistung. Aber zuhause ist es für Ihr Tier doch auch am schönsten – oder?

Wird Ihr Hund also direkt von zuhause für die Gassirunde abgeholt und dort auch wieder abgesetzt, sind die dafür berechneten Kosten von der Steuer absetzbar, da diese Tätigkeit praktisch zum Haushalt dazugehört. Achtung: Damit Sie die Kosten absetzen können, müssen Sie die Rechnung per Überweisung bezahlen. Barzahlungen erkennt das Finanzamt nicht an.

Der Friseur macht einen Hausbesuch

Schneiden, scheren, trimmen – auch Hund und Katze von Welt müssen schick aussehen. Kommt der Friseur zu Ihnen nach Hause, handelt es sich um eine haushaltsnahe Dienstleistung, an der sich das Finanzamt mit 20 Prozent der Arbeitskosten beteiligt. Fahren Sie dagegen in den Salon des Tierfriseurs, sind diese Kosten leider volles Privatvergnügen.

Wichtig auch hier: Bezahlen Sie die Rechnung per Überweisung!

Tierhaftpflichtversicherung

Sie haben eine Tierhaftpflichtversicherung abgeschlossen? Dann reichen Sie uns die Rechnung gern ein. Wir prüfen, ob wir diese als Sonderausgaben in Ihrer Steuererklärung geltend machen können. Dies ist möglich, wenn bestimmte Höchstbeträge nicht ausgeschöpft sind.

Tierarztkosten – grundsätzlich nicht absetzbar

Richtig teuer wird meist der Tierarztbesuch. Ausgerechnet hier beteiligt sich der Fiskus jedoch nicht an den Kosten – auch nicht dann, wenn der Tierarzt zu Ihnen nach Hause kommt.

Steuern, Futter und Co.

Hätten Sie gedacht, dass es die Hunde- und Pferdesteuer in Deutschland schon seit rund 200 Jahren gibt? Friedrich Wilhelm III. von Preußen führte sie mit Erlass vom 28. Oktober 1810 als sogenannte Luxussteuer ein. Wer es sich leisten kann, Tiere zu halten, die keine Nutztiere sind, soll dafür einen Sonderbeitrag leisten.

Wie hoch die Hunde- oder Pferdesteuer ist, hängt von der Gemeinde ab, in der der Tierhalter lebt. Die Kosten dafür können Sie leider nicht von der Steuer absetzen.

Gleiches Spiel beim Futter, dem Schlafplatz oder dem Zubehör: All das können Sie nicht in Ihrer Steuererklärung eintragen, es sei denn, Ihr Liebling verdient mit Ihnen zusammen seinen Lebensunterhalt.

Der Hund als Arbeitsmittel

Die Kosten für den tierischen Begleiter im privaten Bereich können also nur zum Teil steuerich berücksichtigt werden. Schauen wir uns an, ob es einen Unterschied macht, wenn z.B. Ihr Hund nicht nur „Kumpel“, sondern auch „Mitarbeiter“ ist. Hierzu sind ein paar interessante Urteile ergangen.

Der Arbeitshund

Der Bundesfinanzhof hat im Jahr 2010 entschieden, dass ein Diensthund als Arbeitsmittel anzusehen ist. Konsequenterweise ist er damit steuerlich u.a. den Fahrten/Betrieb oder den Fachbüchern gleichgesetzt.

Der Diensthund ist zum Beispiel bei Polizisten, Schäfern oder Psychotherapeuten als ausgebildeter Therapiehund anerkannt. Entsprechend kann der Besitzer alle Kosten für die Pflege des Tieres – dazu zählen eben auch Futter, Leine oder Hundegeschirr und Tierarzt – als Werbungskosten von der Steuer absetzen.

Wichtig: Sammeln Sie alle Quittungen und notieren Sie genau, worum es sich handelt. Eine allgemeine Bezeichnung wie „Hundezubehör“ reicht dem Finanzamt nicht aus. Erstattet Ihnen Ihr Arbeitgeber Kosten für das Tier, müssen Sie diese Erstattungen natürlich mit Ihren Ausgaben verrechnen.

Übrigens: Bei einem Gebrauchshund oder Diensthund wird auch keine Hundesteuer fällig. Denn der Hund dient in diesem Fall der „Einkünfteerzielung“ und ist kein Spielkamerad. Deshalb muss für den vierbeinigen Kollegen auch keine Hundesteuer bezahlt werden

Der Hund auf Rezept

Manche Patienten mit starken körperlichen Beeinträchtigungen oder psychischen Problemen erhalten von ihrem Arzt quasi ein Haustier „verschrieben“. In einem solchen Fall können die Kosten des Haustiers – wie Krankheitskosten – als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig sein. Wichtig ist die Bescheinigung eines Facharztes, in der die Haltung eines bestimmten Tieres dringend empfohlen wird. Der Arzt muss das Attest vor Anschaffung des Tieres ausstellen.

Sicherheitshalber sollten Sie vor dem Kauf des Tieres ein amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung einholen, da sonst Ihr Haustier als „allgemeiner Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens“ angesehen werden kann.

Diensthunde werden in der Regel in den eigenen Reihen ausgebildet. Anders sieht es bei Assistenzhunden oder Blindenhunden aus. Ihre Ausbildung kann in die Tausende gehen und muss im Fall von Assistenzhunden oftmals von den neuen Besitzern getragen werden, sofern diese Kosten nicht die Krankenkasse übernimmt.

Als Steuerpflichtiger mit anerkannter Behinderung haben Sie zudem ein Wahlrecht zwischen dem Behinderten-Pauschbetrag und dem Abzug der höheren nachgewiesenen Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen. Entscheiden Sie sich für den Pauschbetrag, sind damit alle laufenden und typischen Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Behinderung entstehen, abgegolten. Das schließt den Hund mit ein.

Rechtsprechung aktuell – der Schulhund

Ein Schulhund ist ein speziell ausgebildeter Hund, der an Schulen im Rahmen der tiergestützten Pädagogik eingesetzt wird. Eine Lehrerin aus Rheinland-Pfalz setzte ihren Hund an bis zu drei Tagen in der Woche als Schulhund ein. Sie schätzte den beruflichen Anteil auf 50 Prozent und wollte entsprechend die Hälfte ihrer laufenden Kosten für den Hund als Werbungskosten absetzen. Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz lehnte das ab (Urteil vom 12.03.2018, 5 K 2345/15). Die Begründung: Der Hund diene überwiegend privaten Zwecken. Mehr noch, ihr sei „die private Nutzung des Hundes – anders als im Fall des Diensthundeührers – nicht untersagt“, so die Richter. Darüber hinaus gebe es keine dienstliche Verpflich-ung, den Hund einzusetzen. Entsprechend kann die Lehrerin auch keine Kosten von der Steuer absetzen.

In einem Fall in Nordrhein-Westfalen urteilten die Richter jedoch zugunsten der Lehrerin: Sie brachte den Hund von Montag bis Freitag mit in die Schule, der Hund wurde sowohl in den Unterrichtsstunden als auch in den Pausen eingesetzt. Damit sei die Zeit, die der Hund ausschließlich beruflich genutzt werde, anhand objektiver Kriterien feststellbar, so die Richter (Finanzgericht Düsseldorf, Urteil vom 14.09.2018, 1 K 2144/17 E). Die Folge: Die Lehrerin kann 50 Prozent der Kosten als Werbungskosten absetzen.

Ein tierhalterfreundliches Urteil erging vor Kurzem ebenfalls in Nordrhein-Westfalen. So urteilte das Finanzgericht Münster (Urteil vom 14.3.2019, 10 K 2852/18 E), dass Aufwendungen für einen Therapiehund bei Lehrern zu den abzugsfähigen Werbungskosten gehören können. Die Aufwendungen für den Therapiehund seien im Grundsatz beruflich veranlasst, da der Hund der Erledigung dienstlicher Aufgaben der Klägerin gedient habe und im Rahmen eines von der Schulkonferenz beschlossenen Programms an den Unterrichtstagen der Klägerin eingesetzt worden sei. Der Therapiehund sei jedoch nicht ausschließlich beruflich „im Einsatz“, sondern auch in intensiver Weise Bestandteil des Privatlebens der Klägerin. Das Gericht ließ darum einen teilweisen Werbungskostenabzug zu.

Insgesamt also eine sehr erfreuliche Entwicklung. Sprechen Sie uns an und wir klären gern, ob und wie wir die Kosten für Ihr Tier steuerlich berücksichtigen können.