Jeder Immobilienbesitzer kennt das: Die Gemeinde erhebt Grundsteuer, die bei Vermietungsobjekten die Rendite belastet. Die Grundsteuer berücksichtigt als Objektsteuer nicht die Ertragskraft einer Immobilie und schmerzt daher besonders bei langen Leerstandszeiten.

Was viele Immobilienbesitzer jedoch nicht wissen: Genau für diese Fälle sieht das Grundsteuergesetz den Erlass dieser ungeliebten Steuer vor. Voraussetzung sind dabei nicht die persönlichen Verhältnisse des Immobilienbesitzers, sondern die Mietsituation der einzelnen Immobilie. D. h. belastet ein langer Leerstand den Immobilienbesitzer wirtschaftlich, reduziert sich u. U. die Grundsteuer.

Um in den Genuss einer Grundsteuerrückzahlung zu gelangen, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Stellen Sie einen Antrag auf Erlass der Grundsteuer. Dieser ist bis zum 31.03. des Folgejahres, für 2015 somit bis zum 31.03.2016, zu stellen. Der Antrag muss an die Gemeinde gerichtet werden, in der das Objekt liegt. Da die Grundsteuer eine Jahressteuer ist, ist der Antrag für jedes Jahr mit Mietleerstand neu zu stellen.
  2. Es muss sich um ein bebautes Grundstück oder um Betriebe der Land- und Forstwirtschaft handeln.
  3. Der Rohertrag des Objekts ist durch den Leerstand um mehr als 50 % gemindert.
  4. Der Immobilienbesitzer konnte die Minderung des Rohertrags nicht verhindern. Dies ist durch entsprechende Unterlagen nachzuweisen, wie z. B. durch Vermietungsanzeigen oder die Beauftragung eines Maklers. Der Leerstand muss trotz größter Bemühungen eingetreten und verblieben sein.

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, staffelt sich der Erlass wie folgt:

  • Bei Minderung des Rohertrags um mehr als 50 % erfolgt ein Erlass in Höhe von 25 % der Grundsteuer.
  • Bei Minderung des Rohertrags um 100 % erfolgt ein Erlass der Grundsteuer um 50 %.

Als Bemessungsgrundlage der Jahresrohmiete ist auf das Verhältnis zum 01.01. des Erlassjahres, also dieses Jahr auf die Verhältnisse zum 01.01.2015, abzustellen.

Tipp:

Sofern die Unterlagen für den Erlassantrag bis zum 31.03. des Folgejahres nicht vollständig zusammengestellt sind, kann ein fristwahrender Antrag gestellt werden. Die Begründung muss sehr zeitnah nachgereicht werden. Dieser Weg sollte daher nur in absoluten Ausnahmefällen gewählt werden.

Wie berechnen Sie den Rohertrag bei Immobilien mit unterschiedlichen Räumlichkeiten und Leerständen?

Haben Sie eine Immobilie in der verschiedene Wohnungen, Gewerbeflächen oder beides zur Vermietung stehen, sind die Voraussetzungen für jede einzelne Einheit zu prüfen. Dies ist unabhängig davon, ob übrige Einheiten in der Immobilie ganzjährig vermietet waren. Auch hier ist die erste Voraussetzung, dass die Nichtvermietung außerhalb des Einflusses des Immobilienbesitzers lag. Damit der Grundsteuererlassantrag zum Erfolg führt, muss feststehen, dass die Nichtvermietung nicht der Immobilienbesitzer zu vertreten hat.

Bei einem leerstehenden Objekt können Sie die finanzielle Belastung durch den Erlassantrag für die Grundsteuer mindern. Sie erhalten zwar nicht den gesamten Betrag von der Gemeinde zurück, aber immerhin – je nach Leerstand – bis zu 50%. Das kann durchaus eine spürbare Erleichterung sein. Sie sollten daher von dieser Möglichkeit Gebrauch machen und den Antrag für 2015 bis zum 31.03.2016 bei der zuständigen Gemeinde einreichen.

Sofern Sie Fragen zu diesem Thema haben oder Hilfestellung bei der Antragstellung wünschen, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

                                                                                                                  

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