Der Pkw im Betriebsvermögen ist für viele Unternehmer das Sinnbild einer guten steuerlichen Gestaltung. Schließlich werden alle Kosten betrieblich erfasst und den Vorsteuerabzug bekommt man auch. Das bisschen Eigenverbrauch schränkt die Steuersparfreude nicht ein, denken viele.

Doch nicht immer führt der Pkw im Betriebsvermögen zur steuerlich günstigsten Lösung. Es lohnt sich durchaus, mit spitzem Bleistift nachzurechnen, welches die sinnvollste Lösung ist, wenn man die Wahl der Gestaltung hat. Die gesetzlichen Regelungen hierfür sind aber fix.

Zuordnung zum Betriebs- oder Privatvermögen

Bei Kapitalgesellschaften befindet sich das Fahrzeug immer im Betriebsvermögen, da diese über kein Privatvermögen verfügt.

Anders verhält es sich bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften.
Hier unterscheidet der Gesetzgeber in drei Gruppen:

  • Erreicht die betriebliche Nutzung mehr als 50%, gehört das Wirtschaftsgut insgesamt zum sogenannten notwendigen Betriebsvermögen. D. h. es gibt keine Wahlmöglichkeit, der Pkw ist zwingend im Betriebsvermögen zu führen und dem Eigenverbrauch zu unterwerfen.
  • Liegt die betriebliche Nutzung bei weniger als 10%, wird das Wirtschaftsgut zwingend dem sogenannten notwendigen Privatvermögen zugerechnet, was ebenfalls jede Wahlmöglichkeit ausschließt. Der Pkw ist vollständiges Privatvergnügen.
  • In dem Zwischenbereich, also bei einer betrieblichen Nutzung von mindestens 10% und bis zu 50%, wird dem Unternehmer ein Wahlrecht eingeräumt: Er kann den Pkw als sogenanntes gewillkürtes Betriebsvermögen oder als Privatvermögen behandeln. In diesem Fall ist der Einsatz von Stift und Taschenrechner unabdinglich.

Der pauschale Eigenverbrauch als Königsweg ?

Denn welche Wahl zu empfehlen ist, lässt sich oft nicht eindeutig entscheiden. Die 1%-Regelung kommt nur bei einer betrieblichen Nutzung von mehr als 50%, also bei notwendigem Betriebsvermögen, in Betracht. Bei gewillkürtem Betriebsvermögen kommt es zu einer Teilabzugsfähigkeit der Kosten, also werden z. B. bei 40%-iger betrieblicher Nutzung im Saldo auch nur 40% der Kosten als Betriebsausgabe berücksichtigt.

Auch die Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch darf nicht vergessen werden. Oft wird der Vorteil des Vorsteuerabzugs beim Kauf des Kfz durch die Versteuerung des Eigenverbrauchs nicht nur geschmälert, sondern vollständig aufgebraucht, zumal der Verkauf des Fahrzeugs ebenfalls der Umsatzsteuer zu unterwerfen ist.

Vorteile locken bei der 1%-Regelung dann, wenn die anteiligen Kosten der Privatfahrten über dem steuerlichen Wertansatz liegen, also über 12% des Listenpreises.

Greift die 1%-Regelung, beteiligt sich das Finanzamt an den privaten Fahrten in Höhe des jeweiligen Grenzsteuersatzes, maximal also mit 45%. Hinzu kommt eine geringere Belastung mit Gewerbesteuer, in Hannover immerhin mit einem Hebesatz von 480%.

Aber Vorsicht bei der Kontrollrechnung:
Neben der 1%-Regelung müssen auch die Fahrten mit dem Pkw zwischen Wohnung und Betrieb sowie Familienheimfahrten bei einer steuerlich anerkannten doppelten Haushaltsführung berücksichtigt werden. Diese Werte können den Eigenverbrauch empfindlich erhöhen!

Aber selbst wenn nur die 1%-Regelung zu berücksichtigen ist, das heißt keine Fahrten Wohnung/Betrieb versteuert werden müssen, kann das Halten im Betriebsvermögen nachteilig sein. Das ist z. B. dann der Fall, wenn Sie das Fahrzeug gebraucht erwerben und es einen deutlich höheren Bruttolistenneupreis hat, als Sie als Gebrauchtpreis bezahlt haben.

In diesen Fällen kann es durchaus sinnvoll sein, das Fahrzeug auch dann im Privatvermögen zu halten, wenn Sie es zu mehr als 50% betrieblich nutzen. Diese Möglichkeit haben Sie jedoch nur, wenn nicht Sie als Unternehmer das Fahrzeug erwerben, sondern ein Betriebsfremder, wie zum Beispiel Ihr Ehegatte. Dieser muss das Kfz allerdings wirtschaftlich selbst tragen können, um nicht in den vom Finanzamt unterstellten Gestaltungsmissbrauch zu kommen.

In diesem Fall wird das Fahrzeug nicht notwendiges Betriebsvermögen, und die betrieblichen Fahrten können mit EUR 0,30 je gefahrenen Kilometer als Betriebsausgabe berücksichtigt werden, wenn Sie nachweisen, dass Ihr Ehegatte die Kostenerstattung auch erhalten hat.

Alternative Fahrtenbuchmethode?

Wird der Pkw zu mehr als 50% betrieblich genutzt, kann der Unternehmer bei frühzeitiger Planung zwischen der 1%-Regelung und der Fahrtenbuchmethode wählen. In der Praxis übt er dies Wahlrecht dadurch aus, dass er entweder ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch führt oder eben hierauf verzichtet. Zwar verlangt das Gesetz als Voraussetzung für die Fahrtenbuchmethode zusätzlich einen belegmäßigen Nachweis der auf das Kfz entfallenden Kosten. Dieser Nachweis wird jedoch im Rahmen einer korrekten Buchführung ohnehin erbracht. Dabei ist es empfehlenswert, für den Pkw ein eigenes Konto für die laufenden Kosten einzurichten.

Verteuerung durch die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb

Für seine Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb darf der Unternehmer im Regelfall nur die Entfernungspauschale von EUR 0,30 pro Entfernungs-Kilometer als Betriebsausgabe abziehen. Im Rahmen der Fahrtenbuchmethode sind die tatsächlichen Kosten zu ermitteln, die auf diese Fahrten entfallen. Die Differenz zwischen den tatsächlichen Kosten und der Entfernungspauschale gehört zu den nicht abziehbaren Betriebsausgaben.

Kommt bei einem überwiegend betrieblich genutzten Pkw die 1%-Regelung zur Anwendung, z. B. weil kein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch geführt wird, schreibt das Gesetz eine pauschale Schätzung der tatsächlichen Kosten vor, die auf die Fahrten von der Wohnung zum Betrieb entfallen: Anzusetzen sind pro Monat 0,03% des Listenpreises pro Entfernungs-km. Die Differenz zu der Entfernungspauschale erhöht auch hier als nicht abziehbare Betriebsausgabe den Gewinn.

Bei Familienheimfahrten im Rahmen einer steuerlich anerkannten doppelten Haushaltsführung werden die tatsächlichen Kosten für die tatsächlich durchgeführten Familienheimfahrten geschätzt, und zwar auf 0,002% des Listenpreises pro Entfernungs-km. Die Differenz zu der Entfernungspauschale gehört wieder zu den nicht abziehbaren Betriebsausgaben.

Die 0,03%-Regelung würde bei wenigen Fahrten pro Monat die Steuerpflichtigen stark benachteiligen. Deshalb hat der BFH entschieden, diese Regelung sei bei weniger als 15 Fahrten im Monat nicht mehr anwendbar. Stattdessen sollen die tatsächlichen Kosten wie bei Familienheimfahrten geschätzt werden, also mit 0,002% des Listenpreises pro Entfernungs-km.

Nutzung im Rahmen einer anderen Einkunftsquelle

Wird einem Arbeitnehmer ein Pkw insgesamt voll unentgeltlich überlassen und nutzt er ihn nicht nur zu privaten Fahrten, sondern z. B. auch für eine freiberufliche Nebentätigkeit, kann er laut BFH für die freiberuflichen Fahrten keine Betriebsausgaben ansetzen. Insbesondere ist aus dem 1%-Wert kein Anteil für die Nutzung im Rahmen der zweiten Einkunftsart herauszurechnen.

Für Unternehmer, die den Pkw des Betriebsvermögens nicht nur privat, sondern auch zur Erzielung anderer Einkünfte nutzen, dürfte im Ergebnis dasselbe gelten: Die 1%-Regelung schließt einen Abzug anteiliger Kfz-Kosten im Rahmen der zweiten Einkunftsquelle aus. Wird mit dem 1%-Wert der Kostenanteil nicht betrieblicher Fahrten geschätzt, führt die Auffassung des BFH dazu, dass die anteiligen Kfz-Kosten, die durch die Nebentätigkeit verursacht sind, bei dem Betrieb gewinnmindernd erfasst werden, in dessen Anlagevermögen der Pkw geführt wird.

Die richtige Lösung …

… kann wie so oft nicht vorhergesagt werden. Gerade bei Gebrauchtfahrzeugen oder einer Nutzung zwischen 10% bis 50% hilft nur das Rechnen vor dem Kauf.

Der Steuerberaterverband hat sich mit diesem Thema ebenfalls beschäftigt und eine Broschüre erstellt, die bei Ihrer Entscheidung vielleicht hilfreich sein kann.

Sollte sie Ihnen nicht weiterhelfen können, sprechen Sie uns bitte an. Wir helfen gern, damit die Freude am neuen Auto nicht zu teuer wird.

Sprechen Sie uns an, wenn wir Ihnen bei der Beschaffung der Checks oder der Durchführung helfen können. Wir tun es gern.

                                                                                                         

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