Vielleicht können Sie sich an George Orwells Buch mit dem Titel „1984“ erinnern. Der Slogan „Big Brother is watching you“ ist seither ein weltberühmtes Schlagwort und diente nicht nur als Vorlage für Fernsehserien. Dabei ist dieser Klassiker mit dem düsteren Zukunftsszenario schon sehr alt – George Orwell schrieb ihn 1948.

Es ist nicht übertrieben, wenn man die dort erzählte Geschichte mit der Wirklichkeit vergleicht. Es ist im digitalen Zeitalter kein Problem mehr, Informationen über Bürger zu bekommen – egal wo auf der Welt sich diese befinden. Gleiche Länderinteressen und Globalisierung liefern dazu die Grundlagen. Die Rede ist dieses Mal vom automatischen Informationsaustausch über Finanzkonten. Dabei handelt es sich um ein standardisiertes Abrufverfahren, das spätestens im Jahr 2017 weltweit in Kraft treten soll. Und weltweit ist dabei nicht übertrieben! Die schnelle Einführung des „Standards für den automatischen Informationsaustausch über Finanzkonten“ kurz AIA, haben sich bereits mehr als 60 Staaten auf ihre Fahnen angeschrieben. Wir reden dabei nicht nur über Staaten wie Deutschland, USA oder Frankreich, die schon seit langem für ihren hohen Informationsbedarf bekannt sind. Unterschrieben haben auch die steuergünstigen Länder wie die Schweiz, Irland, Singapur oder die KaimanInseln.

Der ZeitpIan zur Umsetzung ist kurz bemessen. Im September 2014 wurde der neue Standard den G20-Staaten vorgestellt, Ende Oktober wurde auf einer speziell hierfür angesetzten Konferenz in Berlin der Entwurf bereits festgezurrt. Zum 1. Januar 2016 sollen neue Verfahren zur Kontoeröffnung eingeführt werden. Ab September 2017 wird mit dem automatisierten Informationsaustausch begonnen. Bis dahin müssen weltweit entsprechende Abkommen nach einheitlichem AIA-Standard der OECD abgeschlossen werden, ähnlich wie es bereits jetzt bei den Doppelbesteuerungsabkommen der Fall ist. Berichtspflichtig sind Finanzinstitute über die von ihnen betreuten Finanzkonten von natürlichen und juristischen Personen, die im jeweils anderen Vertragsstaat ansässig sind.

Transparenz und Identifikation ist dabei alles. Der Datenaustausch beinhaltet neben den allgemeinen Kundendaten wie Kundenname, Adresse und TIN (Tax Identification Number) auch das Geburtsdatum und den Geburtsort. Bei juristischen Personen sind neben den Vertretungsorganen insbesondere beherrschende Personen anzugeben, also solche, die die Kontrolle über die Unternehmen ausüben wie z. B. Vorstände, Geschäftsführer oder Treuhänder. Die Konteninformationen stehen den detaillierten Kundendaten jedoch in nichts nach. So werden Kontonummer, Kontenstand zum Ende des Kalenderjahres oder eines abweichenden Wirtschaftsjahres, die erzielten Bruttoerträge durch Geldanlagen und Bruttoerlöse aus dem Verkauf von Wertpapieren mitgeteilt.

Wir möchten an dieser Stelle kurz auf die von der Bundesregierung Ende 2014 durchgesetzte deutliche Verschärfung der Selbstanzeige im deutschen Steuerrecht hinweisen. Tatsache ist, dass nach Einführung dieses Informationsaustausches über Finanzkonten zwischen den beteiligten Ländern es praktisch unmöglich ist, Geldgeschäfte in den betreffenden Ländern ohne Wissen des deutschen Fiskus zu tätigen. Wir können auch davon ausgehen, dass sich im Laufe der Zeit die Beteiligung von Staaten an diesem Austausch erhöhen wird. Zu hoch ist der Wert der Informationen, der schließlich direkt auf die Steuereinnahmen der beteiligten Länder niederschlägt. Offensichtlich gibt es nichts, was diesen Informationsaustausch stoppen kann. Es ist an uns, uns darauf einzustellen.

Lesen Sie dazu auch unseren >> Mandantenbrief_2015-07 <<