Online-Shops als digitale Dienstleister – Mehraufwand und Belastung durch Arbeit und Kosten

Die Geschäftsabschlüsse der Online-Händler sind allein schon wegen der vielen zu beachtenden Vorschriften schwierig. Jetzt kommt die Umsatzsteuer dazu und kann schnell zur Falle bei Betriebsprüfungen werden.

Oft sind die Unternehmer überrascht, wenn ihnen der Betriebsprüfer Nachweise über Online- Geschäftsabschlüsse vorlegt und dafür gezielt Belege zur umsatzsteuerrechtlichen Behandlung fordert. Jeder im Online-Handel tätige Unternehmer sollte daher wissen, dass der Finanzverwaltung viele rechtliche und tatsächliche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um die Geschäftsaktivitäten eines Online-Händlers zu überwachen. In der Regel greift der Betriebsprüfer auf folgende Quellen zurück:

  • Das Finanzamt tätigt bei dem Onlinehändler einen Testkauf, indem es anonym eine Ware online erwirbt und so die ordnungsgemäße steuerliche Abwicklung prüft. Jeder Umsatzsteuerbescheid unter Vorbehalt der Nachprüfung beinhaltet automatisch das Risiko solcher Testkäufe.
  • Ein gewerblicher Kunde des Online-Händlers macht die Rechnung über den Online-Kauf steuermindernd als Betriebsausgabe geltend. Hier ist regelmäßig mit einer Kontrollmitteilung an das BetriebsstättenFinanzamt des Online-Händlers zu rechnen.
  • Das Internet vergisst nie, sodass der Betriebsprüfer über eine sogenannte Wayback- Maschine auch bereits alte und gelöschte Einträge über den Inhalt eines Online-Shops aufspüren und dokumentieren kann. Die Finanzverwaltung kann so über zurückliegende Jahre verfolgen, welche Waren oder Dienstleistungen ein Online-Händler angeboten hat und wie Kaufpreiszahlungen abgewickelt wurden.

Da der Online-Handel jedem Unternehmer die grenzenlose Möglichkeit eröffnet, seine Waren oder Dienstleistungen nahezu weltweit anzubieten, prüft das Finanzamt immer mehr auch den Bereich der innergemeinschaftlichen Lieferungen und Leistungen. Jeder Unternehmer, der im Bereich des Online-Handels grenzüberschreitend tätig ist, sollte daher vor allem auch mit den damit einhergehenden umsatzsteuerlichen Besonderheiten vertraut sein, um Diskussionen mit der Finanzverwaltung zu vermeiden. Beachten Sie bitte dabei, dass die Finanzverwaltungen der EU-Länder dabei eng zusammenarbeiten. Internationale Kontrollmitteilungen im Bereich der EU sind die Regel und nicht die Ausnahme.

Neuregelungen ab 2015

Seit dem 01. Januar 2015 gelten neue Regelungen für den innergemeinschaftlichen Online- Handel. Die EU will die Anwendung der umsatzsteuerrechtlichen Vorschriften innerhalb der EU vereinheitlichen, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Dafür wurden u. a. der Leistungsort und damit der Besteuerungsort für gewisse Dienstleistungen an den Ort verschoben, an dem die Dienstleistung erbracht wird, also wo sie den Empfänger erreicht. Es gilt das sogenannte Bestimmungslandprinzip mit den umsatzsteuerlichen Besonderheiten des betreffenden Landes, insbesondere auch in Form neuer Melde- und Erklärungspflichten. Die neuen Regelungen betreffen zunächst die gesamte Telekommunikations-, Rundfunkund Fernsehbranche sowie nahezu alle Anbieter, die grenzüberschreitend digitale Dienstleistungen gegenüber Endverbrauchern, also Privatpersonen, anbieten.

Unter digitale Dienstleistungen fallen beispielhaft die Bereitstellung einer Website, die Bereitstellung oder Fernwartung von Software, aber auch das Anbieten von Musik, Filmen, EBooks oder Fernunterricht. Da die betreffenden Leistungen sehr eng gefasst sind, hat der deutsche Gesetzgeber einen Katalog der Leistungen veröffentlicht. Hierin befinden sich u. a. das Anbieten von Suchmaschinen-Dienstleistungen, das Web-Radio und -Fernsehen, das breite Spektrum der Online-Versteigerungen und sonstige Internetdienstleistungen wie gewerbliche Internetforen aller Art, Partnerbörsen, Chatrooms, Nachrichtendienste etc. etc.

Nicht betroffen von den Neuregelungen sind alle Unternehmer die mit Waren handeln bzw. die ihre Dienstleistungen online nicht gegenüber Privatpersonen, sondern Unternehmern erbringen.

Welche Unternehmer sind betroffen?

Von den Neuregelungen ist nicht nur der unmittelbare Dienstleister, sondern auch der sogenannte Plattformbetreiber betroffen. Der Plattformbetreiber kann seine Mitwirkung jedoch dadurch entkräften, indem er anhand von Vertrag und Rechnung nachweist, dass er nicht der eigentliche Erbringer der Dienstleistung ist. Ebenso wenig als Leistungserbringer angesehen werden reine Bezahldienste, über deren Online-Plattform die Zahlung der erworbenen Dienstleistung abgewickelt wird.

Ein besonderes Risiko besteht für Kleinunternehmer, die die Möglichkeit der Umsatzsteuerbefreiung für sich in Anspruch nehmen, da ihre Umsätze im Vorjahr 17.500 Euro und im laufenden Jahr 50.000 Euro nicht übersteigen. Nach Auffassung des EuGH gilt diese Befreiung nämlich nur für innerdeutsche Umsätze und nicht für Umsätze, die im europäischen Gemeinschaftsgebiet erwirtschaftet werden. Grenzüberschreitende Umsätze von Kleinunternehmern sind daher stets von den Neuregelungen betroffen, vorausgesetzt, die abgerechnete Leistung wird gegenüber Privatpersonen erbracht.

Für Unternehmer, die die speziellen Dienstleistungen online gegenüber privaten Endkunden im EU-Ausland erbringen, fällt die Umsatzsteuer ab sofort nicht mehr in Deutschland, sondern im Heimatland des Endkunden an. Es gilt das Bestimmungslandprinzip mit der Folge, dass der Unternehmer seine Dienstleistung nach § 3a Abs. 5 UStG dem im Wohnsitzstaat des Verbrauchers gültigen Umsatzsteuersatz unterwerfen muss. Alle betroffenen Unternehmer müssen sich zudem in jedem EU-Mitgliedsstaat, aus dem ihre Dienstleistungen von privaten Endkunden abgerufen werden, umsatzsteuerrechtlich registrieren und dort ihren Erklärungspflichten nachkommen. Das ist in der Regel mit einem erheblichen Kosten- und Zeitaufwand verbunden, da für das Rechnungswesen oft die unternehmensinterne Software angepasst werden muss. Eine Erleichterung sehen jedoch die Sonderregelungen der Europäischen Kommission über den sogenannten Mini-One-StopShop vor. Die Teilnahme an diesem System kann von deutschen Unternehmern online beantragt werden und ermöglicht die erleichterte Erklärung und Abführung der Umsatzsteuer über das Bundeszentralamt für Steuern. Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie weitere Informationen oder Hilfe brauchen. Wir sind gern für Sie da!

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