Im Hinblick auf den steuermindernden Ansatz von Kosten für den heimischen Arbeitsplatz spricht das Gesetz immer nur von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung. Weiterhin war in diesem Zusammenhang auch noch streitbefangenen, was denn nun ist, wenn der als Arbeitszimmer genutzt Raum nicht nur ein Arbeitszimmer ist, es sich also insoweit um einen Raum handelt, der teilweise für berufliche und zum anderen Teil auch für private Zwecke genutzt wird.

Das Stichwort lautet hier die Arbeitsecke im Wohnzimmer. In der Praxis ist diese immer häufiger anzutreffen, da Wohnungen häufig nicht groß genug sind, um ein separates Arbeitszimmer einzurichten. Insoweit wird in einem auch privat mitbenutzten Raum schlichtweg eine Arbeitsecke eingerichtet. Gerade weil dies in der Praxis so häufig vorkommt, stellt sich nun die Frage, ob nicht dann auch anteilig die Kosten für diese Arbeitsecke steuermindernd als Werbungskosten oder gegebenenfalls Betriebsausgaben abgezogen werden können.

Die bisherige Meinung dazu war sehr rigoros. Danach konnten Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur dann steuermindernd berücksichtigt werden, wenn es sich um eine ausschließlich berufliche Nutzung handelt. Nur dann konnten die anteiligen Kosten des Zimmers wie Miete, Zinsaufwendungen, gegebenenfalls Abschreibung usw. auch steuerlich zum Abzug gebracht werden. Begründet wurde dies unter anderen durch das Aufteilungsverbot, wonach Aufwendungen entweder privater oder aber betrieblicher Natur waren und eine Aufteilung in beide Bereiche nicht möglich war. Schon vor relativ langer Zeit hat die Rechtsprechung des Großen Senats beim Bundesfinanzhof im Bezug auf Reisekosten dieses Aufteilungsverbot jedoch aufgegeben. Seit dieser Entscheidung konnten Reisekosten einer teils beruflichen und teils privaten Reise, z. B. Flugkosten, aufgeteilt werden. Der berufliche Anteil durfte dann (je nach Einkunftsart) als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden. Was aber für Reisekosten klar war, war für die Kosten des Arbeitszimmers noch heiß umstritten.

Schon seit geraumer Zeit liegt dem Großen Senat des Bundesfinanzhofs zu diesem Thema die Frage vor, ob nicht auch die Aufwendungen für eine entsprechend beruflich genutzte Arbeitsecke in einem ansonsten privaten Raum, z. B. dem Wohn- oder Schlafzimmer, nun steuermindernd angesetzt werden können. Immerhin ist im Gesetz nicht verankert, dass das häusliche Arbeitszimmer nicht auch privat mitbenutzt werden darf.

Leider entschied jedoch der Große Senat des Bundesfinanzhofs in seinem Urteil vom 27.07.2015 (welches erst ganz aktuell in 2016 veröffentlicht wurde) unter dem Aktenzeichen GrS 1/14, dass der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers voraussetzt, dass der jeweilige Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche bzw. berufliche Zwecke genutzt wird.

Der Große Senat begründet seine Entscheidung im Wesentlichen mit dem oder besser gesagt seinem allgemeinen Verständnis des Gesetzeswortlauts. Das Gesetz benutzt den Begriff des „häuslichen Arbeitszimmers“. Nach Meinung der obersten Richter setzt dies voraus, dass es sich um einen Raum handelt, der wie ein Büro eingerichtet ist und ausschließlich oder nahezu ausschließlich zur Erzielung von Einnahmen genutzt wird. Sofern ein eigenständiger Raum nicht vorhanden sein müsste, könnte man schließlich auch vom häuslichen Arbeitsplatz sprechen.

Im Ergebnis muss gesagt werden, dass die Argumentation des Großen Senats des Bundesfinanzhofs hier außerordentlich enttäuscht. Dennoch: Ist das Urteil noch so schlecht, der BFH hat immer Recht. In diesem Sinne muss leider klargestellt werden, dass die so genannte Arbeitsecke in einem ansonsten privat genutzten Raum nicht steuermindernd angesetzt werden kann, weil nach Meinung der obersten Finanzrichter der Republik derartige Räume schon ihre Art und ihrer Einrichtung nach erkennbar auch privaten Wohnzwecken dienen.

Immer wieder angesprochen wird im Urteil auch das Problem der Aufteilbarkeit. Insoweit sehen die Richter in der möglichen quadratmetermäßigen Aufteilung eines Raumes kein adäquates Mittel, um die betrieblichen Raumkosten von den privaten Raumkosten trennen zu können. Sicherlich könnte man an dieser Stelle nun noch darüber referieren, ob diese Richtermeinung tatsächlich tragfähig ist. Dies nicht zuletzt deshalb, weil der Quadratmetermaßstab bei einem Arbeitszimmer in einer Wohnung auch angenommen wird. Warum kann man dann nicht auch die Quadratmeter der Arbeitsecke ausmessen und in Relation zur übrigen Wohnung setzen? Im Ergebnis ist diese Überlegung jedoch nutzlos, denn die Würfel des Bundesfinanzhofs sind bereits gefallen. Auf weitere Ausführungen der Entscheidung zur zeitlichen Aufteilung mittels einer Art „Fahrtenbuch“ für die temporäre Nutzung des Raums wird daher an dieser Stelle verzichtet.

Unter dem Strich können Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer also weiterhin nur dann abgezogen werden, wenn es sich tatsächlich um einen eigenständigen Raum handelt der (mindestens) nahezu ausschließlich der betrieblichen oder beruflichen Arbeit dient.

Hinweis:    Mal wieder eine Entscheidung, die sicherlich auch der Steuervereinfachung dient, wie an manchen Stellen im Internet bereits zu lesen ist, da die Ermittlung der Kosten einer Arbeitsecke sicherlich komplizierter und streitanfälliger wäre, als dies bei einem gesonderten Raum der Fall ist. Dennoch, und unabhängig davon, ob die Entscheidung in der steuerlichen Subsumtion vertretbar oder sogar richtig erscheinen mag, hat sie ein Geschmäckle in Zeiten, in denen das Home-Office vielerorts unumgänglich ist und insbesondere auch aus familiären Gründen politisch angepriesen wird.

                                                                                                      

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