In den warmen Sommermonaten entscheiden sich besonders viele verliebte Paare zu dem nächsten Schritt und heiraten. Nach den schönen Feierlichkeiten, dem Geschenke auspacken und den Flitterwochen stellt sich bei vielen neuen Ehepaaren schnell die Frage, ob durch die Ehe Steuern gespart werden können und eine Steuerklasse geändert werden sollte. Im Folgenden möchten wir auf das Thema Steuerklasse in der Ehe eingehen und die rechtliche Veränderungen erklären.

Steuerklasse in der Ehe: Wie gehe ich am besten vor?

Die Steuerklassen für Ehepaare

In der Regel haben die Ehepartner vor der Eheschließung jeweils die Steuerklasse I, sofern sie sich in einem Angestelltenverhältnis befinden. Nach der Eheschließung wird die auf die Steuerklasse IV bei beiden Ehepartnern geändert. Dadurch ergeben sich weder höhere monatliche Abzüge, noch besteht eine Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung nach Ablauf des Jahres. Die Steuerklasse IV ist also das Pendant zur Steuerklasse I vor der Ehe. Lohnt sich denn nun ein Wechsel der Steuerklasse z. B. in III und V?

Vorweg ist zu sagen:
Bei der Steuerklassenwahl geht es nicht darum mehr oder weniger Steuern in einem Jahr zu zahlen, sondern darum, wann diese Steuern gezahlt werden. Das heißt, sofern die monatlichen Steuerabzüge niedriger sind, fällt die Nachzahlung im Rahmen der Steuererklärung höher aus bzw. die Erstattung niedriger.

Bei der Steuerklasse III und IV geht es in erster Linie darum, dass der eine Ehepartner durch höhere Steuerabzüge, die niedrigeren Steuerabzüge des anderen Ehepartners ausgleicht. Im Ergebnis ergibt sich dadurch unterjährig gemeinsam ein monatlich höheres Netto. Eine Folge aus dieser Steuerklassenwahl ist aber, dass eine Verpflichtung zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung für Eheleute entsteht und das Finanzamt diese einfordert. Spätestens in dieser erfolgt die „Endabrechnung“ der Steuer.

Worin liegt also der Vorteil eines Steuerklassenwechsels? Dieser liegt eben nicht in der Steuerhöhe, sondern vielmehr bei den sogenannten Endgeldersatzleistungen, die auf dem Netto-Gehalt basieren. Hier sind insbesondere das Elterngeld und das Krankengeld zu nennen. Durch eine geschickte Gestaltung in der Steuerklassenwahl kann bares Geld gespart werden.

Wie funktioniert das konkret?
Da die Endgeldersatzleistungen oftmals von dem Netto-Gehalt berechnet werden, wirkt sich ein monatlich niedriger Steuerabzug wie z. B. der Steuerklasse III positiv auf die Höhe des Netto-Gehalts aus. Dadurch werden höhere Ansprüche in der Zukunft bei z. B. dem Elterngeld erworben. Unsere Empfehlung lautet daher, sofern Sie eine Familiengründung planen, beantragt derjenige die günstigere Steuerklasse III, der voraussichtlich die Elternzeit in Anspruch nimmt.

Wichtig hierbei, die Steuerklasse sollte frühestmöglich beantragt werden, damit sie sich positiv auswirkt. Der Steuerklassenwechsel kann unkompliziert beim persönlichen Finanzamt beantragt werden und wird zum Ersten des Folgemonats gültig. Der letztmalige Wechsel der Steuerklasse ist im November eines Jahres möglich.

Weitere (steuerlichen) Änderungen nach der Eheschließung

  • Güterstand: 
    Durch die Eheschließung wird ein gemeinsamer Güterstand geschlossen. Abhängig davon gibt es erhebliche Veränderungen auch im Erbrecht. Der gesetzliche Güterstand einer Ehe ist die „Zugewinngemeinschaft“. Diese kann durch einen notariellen Ehevertrag gemeinsam verändert werden. Dadurch besteht ein wesentlicher Erbanspruch im Fall des Versterbens eines Ehepartners bei dem überlebenden Ehepartner.
    Aber Achtung: Auch wenn keine Kinder da sind, ist der überlebende Ehegatte nicht der alleinige Erbe. Solange keine Kinder gezeugt wurden, erben anteilig auch die Eltern des verstorbenen Ehegatten.
    Auch im Rahmen der Erbschaft- und Schenkungssteuer hat sich durch die Eheschließung die gesetzliche Grundlage erheblich verändert – im Positiven. Anstatt einen Freibetrag für Schenkungen und Erben in Höhe von EUR 20.000,00 wie unter fremden Dritten zu haben, können unter Ehegatten Schenkungen und Erben bis zu EUR 500.000,00 steuerfrei übertragen werden.
  • Hinterbliebenenschutz
    So wie der Gesetzgeber eine Unterhaltsverpflichtung und Absicherung des Ehepartners zu Lebzeiten sieht, will er auch den überlebenden Ehegatten im Fall des Versterbens besonders schützen. So sollten immer Ansprüche als Hinterbliebener aus Witwenrenten geprüft und ggf. frühzeitig und fristgerecht beantragt werden.
  • Versicherung
    Sofern ein Ehepartner in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, kann sein Ehepartner über die Familienversicherung mit krankenversichert werden. Interessant ist diese Konstellation insbesondere, wenn sich einer der Ehepartner in einer Fortbildung oder einem Studium befindet und deswegen nicht in einem Arbeitsverhältnis steht. Dadurch können privat zu zahlende Krankenversicherungsbeiträge gespart werden.
    Darüber hinaus sollten spätestens nach der Eheschließung sämtliche Versicherungen auf Vergünstigungen hin geprüft werden. So werden Ehepartner in KFZ- oder auch Haftpflichtversicherung beitragsmäßig besser gestellt als fremde Dritte.
  • Besonderheiten für Beamte
    Beamte sollten nach der Eheschließung ihre Besoldung auf einen Familienzuschlag prüfen. Dieser ist nicht abhängig von der Geburt eines Kindes, sondern kann auch nach Eheschließung abhängig vom Bundesland beantragt werden.

Zum Schluss wollen wir auf einige Irrtümer hinweisen:

  • Vermögensverhältnisse
    Anders als oftmals geglaubt, erwirtschaftet jeder Ehepartner auch nach der Eheschließung sein eigenes Vermögen und tritt für seine Schulden selbst ein, wenn der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft nicht verändert wurde. Es erfolgt also nach der Eheschließung kein automatisches „Vermischen“ der Vermögen
  • Vollmachten
    Auch als Ehepartner gibt es nicht einen generellen Auskunftsanspruch. Sofern gewünscht ist, dass der Ehepartner im Fall eines Unfalls im Krankenhaus für den Betroffenen Entscheidungen treffen kann, sollten Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten entsprechend erstellt werden. Ebenso besteht kein automatisches Informationsrecht gegenüber Banken. Sofern ein Kontenzugriff erlaubt werden soll, muss dieser bei den jeweiligen Banken vergeben werden. Die Bankhäuser haben dafür entsprechende Kontovollmachten.

Mit diesem Beitrag möchten wir Ihnen einige rechtliche und auch steuerliche Folgen aus der Eheschließung aufzeigen. Wir empfehlen Ihnen, sich aktiv damit zu beschäftigen, damit Geld gespart werden kann oder organisatorische Angelegenheiten in schweren Zeiten wie z. B. Krankheit nicht erst dann angegangen werden müssen.

Haben Sie noch Fragen? Welche Informationen fehlen noch? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen.