Seit einiger Zeit ist der Leitzinssatz der Europäischen Zentralbank negativ. Mit der Folge, dass Firmen, aber z. T. auch Privatpersonen, bei der Ausleihung ihres Finanzkapitals keine Zinsen erhalten. Vielmehr müssen sogar noch „negative“ Zinsen gezahlt werden. Wie ist mit diesen Negativzinsen umzugehen?

Hier können zwei Arten von diesen „Negativzinsen“ auftreten.

Negative Habenzinsen

Positive Habenzinsen muss ein Privatanleger gemäß § 20 EStG der Abgeltungsteuer unterwerfen. Daher könnte man annehmen, dass negative Habenzinsen ebenfalls in diesen „Topf“ kommen und mit positiven Habenzinsen saldiert werden können.

Laut BMF – Schreiben vom 18.01.2016 soll laut Finanzverwaltung dieses aber nicht erlaubt sein. Die Begründung lautet, dass negative Habenzinsen kein Entgelt für die Überlassung von Kapitalvermögen zur Nutzung sind, das vom Kapitalnehmer, d. h. dem Kreditinstitut an den Kapitalgeber, d. h. dem Kunden gezahlt wird. Wirtschaftlich betrachtet soll es sich laut Finanzverwaltung vielmehr um eine Art „Verwahr – oder Einlagegebühr“ handeln , die bei den Einkünften aus Kapitalvermögen als Werbungskosten anzusehen ist und wegen des Werbungskosten-Abzugsverbots bei der Abgeltungsteuer keine Berücksichtigung findet.

Ob sich die Auffassung der Finanzverwaltung durchsetzen wird, wird vermutlich erst höchstrichterlich entschieden werden können. Bis dahin werden aber die Kreditinstitute auf den Jahressteuerbescheinigungen negative Habenzinsen nicht berücksichtigen dürfen. Negative Habenzinsen stehen jedoch auf den sogenannten Jahreserträgnisaufstellungen. Diese sollten im Rahmen der Erstellung der Einkommensteuererklärung entsprechend ausgewertet werden und in der Einkommensteuererklärung in der Anlage Kapitaleinkünfte Berücksichtigung finden. Wenn dann im Rahmen der Veranlagung negative Habenzinsen nicht berücksichtigt werden, kann dann durch einen Einspruch und einem Antrag auf Ruhenlassen des Verfahrens , bis in bereits anhängigen Verfahren entschieden wird, die Option auf Berücksichtigung offengehalten werden.

Zinserträge, die im Rahmen der Einkunftsarten Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbständige Arbeit und Vermietung und Verpachtung anfallen, unterliegen nicht der Abgeltungssteuer, sondern vielmehr der tariflichen Besteuerung. Ferner gilt auch nicht wie bei der Abgeltungsteuer das Verbot des Werbungskostenabzugs.

Bei diesen Einkunftsarten sollten daher negative Habenzinsen als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten Berücksichtigung finden.

Negative Sollzinsen

Hier ist der Sachverhalt umgekehrt wie bei negativen Habenzinsen: Ein Kreditinstitut überlässt dem Kunden Kapital (Darlehensgewährung). Der Kunde zahlt aber keine Zinsen für das Darlehen, sondern erhält vom Kreditinstitut ein Entgelt (das Gegenstück zu negativen Habenzinsen).

Spiegelbildlich zu den Ausführungen zu den Negativen Habenzinsen müssten diese wie folgt behandelt werden:

Bei einem Privatanleger stellen negative Darlehenszinsen keinen Kapitalertrag gemäß § 20 EStG dar, da vom Kreditinstitut kein Entgelt für die Überlassung von Kapitalvermögen an den Kunden bezahlt wird, sodass diese negativen Darlehenszinsen nicht der Abgeltungsteuer unterliegen.

Wirtschaftlich handelt es sich hier um ein vom Kreditinstitut gezahltes Entgelt für die Aufbewahrung von Kapital.

Erfolgt aber die Zahlung von negativen Sollzinsen an den Darlehensnehmer im Rahmen der oben genannten anderen Einkunftsarten, führen die negativen Sollzinsen dort zu steuerpflichtigen Betriebseinnahmen bzw. Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung.
Wir hoffen, Ihnen mit diesen Ausführungen einen Überblick gegeben zu haben. Lassen Sie es uns wissen, wenn Sie noch mehr Informationen benötigen.